XL – Limburg

Am Montag, den 27.05.2019 war in der „Nassauischen Neue Presse“, über die Wiederholung des Konzertes „XL – 222 Männer im Klangrausch“ am 25.05.2019 in der Stadthalle Limburg nachstehender Bericht von Andreas Müller-Diez zu lesen:

Es war ein ungewöhnliches Konzert, zu dem sich 222 Männerstimmen in der Limburger Stadthalle vereinten. Und zum Finale sagen noch die Zuschauer mit.

VON ANDREAS MÜLLER

Gerade eine Woche nach den fantastischen zweiten Männerchortagen durften Freunde der Chormusik erneut ein ganz außerge-wöhnliches Chorkonzert erleben.“XL 222 Männer im Klangrausch“ füllte die Limburger Stadthalle . Geboren war die Idee beim Harmoniefestival 2017 in Lindenholzhausen, als 300 Männer auf der Bühne standen. Der Spaß am gemeinsamen Singen so vieler Männer, der Klang und auch die Präzision eines solch gewaltigen Klangkörpers waren für alle Beteiligten so überwältigend, dass bei den Chorleitern die Idee einer Fortset-zung auf noch höherem Niveau entstand.
Aufgegriffen haben das jetzt Martin Winkler, bis Oktober 2018 Chorleiter der „Harmonie“ Lindenholzhausen, und Jürgen Faßbender, der von seinem Freund den Dirigentenstab übernommen hat, gemeinsam mit den beiden österreichischen Chorleitern Oskar Egle und Paul Burtscher. Faßbender und Winkler pflegen seit vielen Jahren ein freundschaftliches Verhältnis mit deren Chören aus dem österreichischen Vorarlberg, dem „LIEDERmännerCHOR“ Alberschwende und dem Männerchor „Götzis“.
Aus der heimischen Region waren natürlich die „Harmonie“ Lindenholzhausen dabei, außerdem der Männerchor „Germania“ Freiendiez, der ebenfalls unter der Leitung von Jürgen Faßbender steht.
Als musikalischer Kontrapunkt haben sich die Organisatoren das Profiblechbäser-ensemble „Sonus Brass“ aus Österreich hinzugeholt.
Zusammengestellt haben alle eine weitrei-chendes Programm von geistlicher Musik bis hin zur zeitgenössischen Musik und Arrange-ments aus dem Pop-Bereich.

Wehmütiger Abschied
Das Konzert war gleichzeitig Martin Winklers offizieller Abschied von der „Harmonie“. So durfte er auch das erste Stück dirigieren. Ausgesucht hat er sich das beliebte siebenstimmige „Ave Maria“ von Franz Biebl. Ein großer Chor nahm Aufstellung auf der Bühne, ein kleiner Chor stand hinter dem Publikum am Eingang zum Saal der Stadthalle.
Die ersten Töne erklangen und schon sorgten die vielen wunderbaren Stimmen für eine angenehme Gänsehaut. Am Ende verneigte sich Winkler vor dem Chor, winkte ins Publikum und nahm dann selbst im Chor Aufstellung. Ein wunderbarer, aber doch etwas wehmütiger Abschied nach 25 Jahren „Harmonie“.
Welch hervorragende Musiker sie sind, bewiesen „Sonus Brass“, besetzt mit zwei Trompeten bzw. einem Flügelhorn, Horn, Posaune und Tuba mit der Ouvertüre aus der Oper „La forza del destino“von Giuseppe Verdi.

„Was ist das Pendant zu Hahn im Korb“, fragt Nicole Frenken, die mit ihrer kecken Mode-ration für eine angenehme Atmosphäre sorgte. „Hinkel im Männerchor“, gab sie zur Antwort.
Nach einer gesanglichen Beschreibung der Schöpfungsgeschichte in „The Creation“, bei der durch den Ausdruck des Chores tat-ächlich „Licht zu werden schien“ und einem zackigen, rhythmischen „Kyrie“, das im Pianissimo verklang, folgte ein erstes ge-meinsames Stück der Sänger und Bläser, das „Benedictus“ von Karl Jenkins, für den eine Unterscheidung zwischen U- und E-Musik laut Frenken keine Rolle spielte. „Sonus Brass“ wurde dabei erweitert zum Septett, außerdem Pauken und Perkussion.

80 gestimmte Gläser
Die Choreiter wechselten sich am Pult ab, und wenn sie nicht dirigierten, reihten sie sich im Chor ein und sangen mit. Alle drei zeigten mit deutlichen Bewegungen, was sie von dem riesigen Chor, der in elf Reihen hintereinander aufgestellt war, erwarteten und die Sänger folgten ihnen in großer Harmonie. Mit 80 gestimmten Gläsern begleiteten die Sänger sich selbst bei „Trees“ und sorgten für einen sphärischen Klang zu ihrem Gesang. Andreas Jung von der „Harmonie brillierte als Solist und Nicole Frenken lüftete das Geheimnis, dass Faßbender die Gläser nicht mit Wasser, sondern Grünem Veltliner oder Riesling stimmen lasse.
Höhepunkt des geistlichen Teils war das „Gloria“ von Randol Alan Bass für Männer-chor, Perkussion und Orgel. Hier kamen auch Xylophon, Marimbaphon und ein Glockenspiel zum Einsatz. Heiß wurde es im weltlichen Teil mit „Fever“ für Männerchor und Tuba. Auch Klassiker der Männerchor-literatur wie „Abschied“ von Mathieu Neumann oder „Die Nacht“ von Franz Schubert fehlten nicht im Programm. Die Sänger verteilten sich im Saal, so dass ihr Gesang den kompletten Raum erfüllte. „Miniwanka“ hat kein herkömmliches Notenbild, sondern wurde in einer grafischen Notation verfasst. Faßbender bezeichnet die Partitur als Kunstwerk, Frenken zog den Vergleich mit einem Kinderbuch zum Ausmalen. Beschrieben wird im „Miniwanka“ mit Indianerworten das Wasser, lautmalerisch umgesetzt von den Sängern.
Mit schauspielerischem Talent sorgte Tobias Helfrich von der „Germania“ bei „Bratislava Lover“ für Erheiterung beim Publikum, bevor der Chor mit „Rock me, Amadeus“ tatsächlich den Saal rockte und Jürgen Faßbender vollen Körpereinsatz zeigte. Nach begeistertem Applaus gab es eine Zugabe, bei der sich die Sänger erneut mit gefüllten Gläsern im Raum verteilten und das „Schlofliadle“ von Chorleiter Egle sangen. Sozusagen als „Rausschmeißer“ intonierten dann alle noch das beliebte „Morgenrot“ , bei dem auch Sänger im Publikum einstimmten.